Salzderhelden

Quelle: Der Landkreis Einbeck / Geschichte und Gegenwart . Erich Plümer Einbeck 1971

Unterhalb des Heldenberges, eines gegen das Leinetal abfallenden Bergrückens, liegt der Flecken Salzderhelden. Er ist auf engem Raum zwi­schen der überschwemmungsreichen Talung der Leine und dem steilen Abhang des die Ortschaft um mehr als sechzig Meter überragenden Hel­denberges entstanden und in seiner topographi­schen Entwicklung aus drei verschiedenen Sied­lungsteilen hervorgegangen. Sie haben jahr­hunderte lang auch als rechtlich eigenständige Ortsteile nebeneinander bestanden und wurden erst 1849 zu einer Gemeinde vereinigt…


Seine Entstehung verdankt Salzderhelden dem örtlichen Salzwerk, das die hier vorhandenen Salzlager des Zechsteins nutzt. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert in Betrieb genommen, hat die Saline schon bald zahlreiche Siedler beson­ders aus dem nahe gelegenen, später wüst ge­wordenen Dorf Bonekenhusen angelockt und allmählich zur Ausbildung einer geschlossenen Ortschaft geführt. Sie entwickelte sich zwischen der Leine Im Osten und Südosten, der Zolleine im Norden und dem Feuergraben im Westen, wo als ältester Siedlungsteil der eigentliche Flecken mit der Saline, mit ansehnlichen Fachwerkhäu­sern in enger Bebauung, mit dem Rathaus und der 1769 wiedererrichteten Jakobi-Kirche ent­stand. Dieser Siedlungsteil wurde 1509 mit dem Marktrecht ausgestattet.
Das Salzwerk bestand aus dem heute nicht mehr genutzten Salzbrunnen, den fünfzehn Siedehäu­sern (Koten) und seit 1586 auch aus einer Was­serkunst zur Hebung der Sole. Doch litt die Saline von Anfang an durch häufige Über­schwemmungen, weshalb man sich zu ihrer Verlegung nach außerhalb des Fleckens ent­schloß. So entstand seit 1757 auf der Flamke das heutige Salzwerk, für das 1857 und 1884 auf dem Salinenhof neue Bohrungen bis in etwa 300 m Tiefe niedergebracht wurden. Seit 1851 wird die durch Pumpen geförderte Sole auch zu Bade­zwecken abgegeben, wofür ein heute im Besitz der Stadt Einbeck befindliches Solbad eingerich­tet wurde, während die Salzgewinnung vor eini­ger Zelt eingestellt ist.

Bis heute hat die Saline Salzderhelden ihre aus dem Mittelalter überkommene Verfassung in den Grundzügen beibehalten. Es handelt sich um eine gewerkschaftliche Unternehmensform, die aus fünfzehn, verstreut im Flecken gelegenen Salzkoten (Siedehäusern) bestand. Eine davon gehörte dem Landesherrn, die übrigen befanden
Sich im Privatbesitz, sind aber durch vielfältige Vererbung sowie durch Verkauf allmählich in kleinere Teile zerlegt worden. Auch die ursprüng­lich jährlich zu wählenden beiden Salzgräfen, denen die Leitung des Salzwerkes, eine gewisse Gerichtsbarkeit und bis 1756 auch das Amt des Bürgermeisters für den Flecken zukam, haben ihre Bedeutung verloren; doch Ist noch heute ein gewählter Salzgräfe der Vorsitzende der Salz­gewerkschaft. Mit Ausnahme der Jahre von 1757 bis 1851, in denen der gesamte Betrieb an die hannoversche Regierung verpachtet war, blieb die Saline im Besitz der Salzgewerkschaft.
In enger Abhängigkeit von der Saline lebten auch die Fleckenbewohner. Sie waren fast aus­schließlich als Pfänner, Salzkärrner (Händler), Handwerker oder Fuhrleute für das Salzwerk tätig, um sich späterhin auch dem Leinenhandel zuzuwenden. Für ihn wurde eine Legge nach Salzderhelden gelegt, wo im ausgehenden 18. Jahrhundert eine Fabrik zur Fertigung von Flanell und Wollstoffen bestand. Daneben ent­wickelte sich an der durchführenden Handels­straße ein reger Verkehr und ein nicht unbedeu­tendes Frachtfuhrwesen, das erst mit der 1854 im Leinetal gebauten Eisenbahn, durch die Salz­derhelden zwar den einzigen Bahnhof an der „Hannoverschen Südbahn“ im Landkreis Einbeck erhielt, zurückging- Die Landwirtschaft trat hier zunächst nicht nennenswert in Erscheinung, zumal Ackerland nur in beschränktem Umfang zur Verfügung stand. Erst als das im Ort gele­gene Minnigerodsche Gut 1850 von der Gemeinde gekauft und unter die Einwohner aufgeteilt war, konnte die Landwirtschaft in größerem Maße ausgeübt werden. Unabhängig vom eigentlichen Flecken und in räumlicher Trennung davon entstand seit dem hohen Mittelalter im heutigen Ortsbereich ein zweiter Siedlungsteil mit der Heldenburg als Mittelpunkt.

Die auf dem 160 m hohen Heldenberg stehende. 1320 erstmals erwähnte Heldenburg gelangte im 13. Jahrhundert an das Fürstentum Grubenhagen und bildete mit der gleichnamigen Feste In der Ahlsburg den zweiten militärischen Stützpunkt des Einbecker Territoriums der Grubenhagener. Bereits Heinrich der Wunderliche, der Begründer dieses welfischen Herzoghauses, starb 1322 auf der Heldenburg, nach der sich fortan verschie­dene Mitglieder der Linie Grubenhagen nannten. Sie haben die Heldenburg oftmals als Fürstensitz und später auch als Witwensitz benutzt- Zudem befand sich hier die gleichnamige Amtsverwal­tung für den östlichen Gebietsteil der Einbecker Landschaft. Die oftmals belagerte und verschiedentlich wie­derhergestellte Burg wurde noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts und zuletzt vom Oberjägermeister v. Moltke, dem Gründer der Saline Sülbeck. bewohnt, doch geriet sie seit dem 18. Jahr­hundert in Verfall. Von der überwiegend aus Kalkbruchstein errichteten spätmittelalterlichen Anlage haben sich deshalb nur noch einzelne Gebäude im Grundriß, teilweise auch im Aufbau erhalten, so die nördliche und östliche Palaswand, die Umfassungsmauern der gotischen Burgkapelle, ein Turmstumpf auf quadratischem Grundriß und überwölbte Keller. Der quadra­tische Burghof war auf der Nord- und Westseite von noch heute erkennbaren Gräben gesichert, während die steil abfallende Süd- und Ostseite des Heldenberges einen natürlichen Schutz bot. Im Schatten der Burganlage waren unmittelbar am östlichen Abhang des Heldenberges die vor­nehmlich zur Burg und zum Amt gehörenden Wohn- und Wirtschaftsgebäude entstanden: Vor­werk. Mühle, Brauerei, Försterei sowie Stallun­gen und Häuser der Bediensteten. Diese Baulich­keiten bildeten einen eigenen, direkt dem Schloß und Amt zugeordneten und deshalb vom eigent­lichen Flecken abgetrennten Ortsteil, dessen Be­wohner, die Heldenberger genannt, sich in ihrer rechtlichen Stellung von den Fleckenbewohnern unterschieden und in völliger Abhängigkeit vom Schloß und Amt standen,

Auf der südlichen und südwestlichen Seite des Heldenberges hatte sich entlang der nach Einbeck führenden Straße ein dritter, nur wenige Haus­stellen umfassender Ortsteil gebildet. Seine Be­wohner wurden Büter, nämlich die Außenwoh­nenden oder Vorbürger, genannt. Hinsichtlich ihrer Rechtsstellung waren sie sowohl dem Flecken als auch dem Amt zugeordnet, indem sie beide bestimmte Dienste zu leisten hatten, an­sonsten aber frei waren. Die Bewohner hatten sich zunächst südlich der Einbecker Straße nie­dergelassen, während auf der nördlichen Straßenseite das Amtshaus lag, das für die Auf­nahme der Amtsverwaltung Salzderhelden ent­standen war; das noch vorhandene Gebäude ist um 1732 errichtet worden.
In jener Zeit wurden die drei Siedlungsteile schließlich zu einer Gemeinde vereinigt; sie stel­len seit 1849 einen rechtlich gemeinsamen Orts­bezirk dar, der heute von mehr als zweitausend Einwohnern bewohnt wird und sich in den letz­ten Jahrzehnten räumlich stark ausgeweitet hat. Östlich der Bahnlinie entstand an den Abhängen der bewaldeten Höhen ein neues, geschlossenes Siedlungsgebiet; es wuchs inzwischen zum vier­ten Ortsteil von Salzderhelden heran und ist mit dem alten Ortskern durch die von Süden kom­mende Bundesstraße verbunden, die hier scharf nach Westen abknickt, die Bahnlinie und das Leinetal überquert und weiter nach Einbeck führt. Veranlaßt wird diese Richtungsänderung durch das nördlich von Salzderhelden gelegene Durchbruchstal, durch das auch die Leine aus ihrer bis dahin nördlichen Richtung wegen der vorgelagerten Buntsandstein- und Muschelkalkhöhen nach Osten abbiegt. Die hier deswegen ständig auftretenden Hochwasser sollen durch ein großes Rückhaltebecken aufgefangen werden.

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