Mit dem Förderverein unterwegs

Das Ziel der Studienfahrt 2014 des Fördervereins Heldenburg-Salzderhelden war die Fränkische Schweiz. Früher wurde die Gegend um Muggendorf  einfach nur Gebürg genannt, aber in der Zeit der Romantik entstanden überall dort Schweizen, wo es landschaftlich besonders reizvoll war, als „Schlupfwinkel deutschen Gemüts“.

Auf der Hinfahrt wurde die Würzburger Residenz, erbaut von Balthasar Neumann, besichtigt. Obwohl Würzburg im zweiten Weltkrieg zu 92 % zerstört wurde, hat das berühmte Decken-gewölbe mit den herrlichen Fresken des Italieners Tiepolo, die die damals bekannten vier Kontinente darstellen, das Inferno überlebt. Nach grundlegender Restaurierung sind die Innenräume in ihrer barocken Pracht wiedererstanden und gehören zum UNESCO-Welt-kulturerbe. – In den Weinstuben des Juliusspitals wurde zu Mittag gegessen, bevor es zu unserem Domizil, der Korbmacherstadt Lichtenfels, ging. – An den beiden darauffolgenden Tagen begleitete uns ein versierter und humorvoller Franke mit dem Namen eines bekannten Sektherstellers. Er sei aber nicht mehr ganz so spritzig, wie er uns gestand.

Nachdem einem Hirten im 15. Jh. auf dem ehemaligen Hof Frankenthal des Klosters Lang-heim mehrmals vierzehn Kindlein erschienen waren, die als die vierzehn Nothelfer gedeutet wurden, baute man an diesem Ort eine Kapelle. Als diese für die vielen Wallfahrer zu klein wurde, beauftragte der Bamberger Bischof Friedrich Carl von Schönborn Balthasar Neumann, das „Gewissen fränkischer Baukunst“, mit dem Bau der jetzigen Basilika.

Auf der gegenüberliegenden Talseite liegt das ehemalige Benediktinerkloster Banz, in dem sich heute die von der CSU geführte Hanns-Seidel-Stiftung befindet. Die Pfarrkirche ist ein Werk von Johann Dientzenhofer und besitzt eine prächtige barocke Innenausstattung. – Das benachbarte Bad Staffelstein wurde in einem kurzen Rundgang erkundet. Hier wurde der bekannte Rechenmeister Adam Riese geboren, und Victor von Scheffel dichtete das Franken-lied „Wohlauf die Luft geht frisch und rein, wer lange sitzt, muß rosten“. – Auf einer Floßfahrt auf dem Main ging es in jeder Beziehung rund. Zwei Musiker sorgten für die entsprechende Stimmung, und obwohl das Floß kein Geländer besaß, ist niemand baden gegangen.

Am nächsten Tag ging es durch eine typische Karstlandschaft, entstanden im weißen Jura vor ungefähr 160 Millionen Jahren, mit tief eingeschnittenen Flußtälern und trockenen, kargen Hochflächen, auf denen man weitgehend auf eine „Verspargelung“ der Landschaft durch Windkrafträder verzichtet. Stattdessen bevorzugt man Solaranlagen, die die Gegend weniger beeinträchtigen. – In Tüchersfeld im einstigen Judenhof ist ein sehr interessantes Museum über das Leben in dieser Region entstanden, das sowohl die Fossilien, hauptsächlich Ammo-niten, aus dem Jura-Meer zeigt, als auch das Miteinander von Juden und Einheimischen. Die Synagoge soll die älteste noch erhaltene sein. – Die Fränkische Schweiz wird sowohl von Katholiken, zum Bistum Bamberg gehörig, als auch von Protestanten bewohnt, die zu Brandenburg-Preußen gehörten. Seit Anfang des 19. Jh. erst gehört Franken zu Bayern, doch legen die Franken großen Wert auf den Unterschied.

In Gößweinstein begegneten wir erneut Balthasar Neumann in der Basilika minor zur Heiligsten Dreifaltigkeit, die nach wie vor ein beliebtes Wallfahrtsziel ist. – Auf einem der vielen Felsentürme aus Dolomitgestein liegt auch Burg Pottenstein, der Zufluchtsort der Heiligen Elisabeth von Thüringen. – Nicht weit davon entfernt thront auf einem steil ab-fallenden Felsplateau  Schloß Greifenstein, seit dem 17. Jh. im Besitz der Grafen Schenk von Stauffenberg und immer noch bewohnt von deren Familie. Eine einmalige Waffensammlung, der beeindruckende Geweihgang, die Bibliothek mit wertvollen alten Büchern, das Standes-amt sowie die Kapelle wurden uns von dem engagierten Hausmeisterehepaar gezeigt und erläutert.
In der Fränkischen Schweiz gibt es noch viele, meist private Brauereien, und so war es ge-wissermaßen unsere Pflicht, an einer Bierverkostung in einem urigen Gasthaus teilzunehmen. Dazu gibt es folgende Geschichte: Auf die Frage, was er denn trinke, antwortete der Franke: „Wenn ich Durst habe, trinke ich Bier. Wenn ich lustig sein will, trinke ich Wein. Wenn ich Schmerzen habe, trinke ich Schnaps.“ „Und wann trinkst du Wasser?“ „So ein schlimmer Fall ist mir glücklicherweise noch nicht vorgekommen.“

Bei kühlem, aber trockenem und oft sogar sonnigem Wetter gingen die vier Tage viel zu schnell vorbei. – In Erfurt fuhren wir bequem mit der historischen Straßenbahn, und wer Lust hatte, konnte die Stadtführerin noch zu Fuß zur Krämerbrücke begleiten. Eine abschließende Kaffeetafel in Bad Heiligenstadt rundete die gelungene Fahrt des Fördervereins ab. Dem lang-jährigen ehemaligen Vorsitzenden Helmut Giesel, der das Programm wieder vorzüglich aus-gearbeitet hatte, gilt unser herzliches Dankeschön.

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